Warum wird unter Vakuum destilliert?
Der Siedepunkt einer Flüssigkeit hängt vom Druck ab. Wird der Druck im System abgesenkt, kann die Verdampfung bei einer niedrigeren Temperatur stattfinden. Für temperaturempfindliche oder komplexe Lösemittelgemische eröffnet das zusätzliche Möglichkeiten für eine schonende und kontrollierte Trennung.
Die Vakuumstufe allein bestimmt jedoch nicht die Ergebnisqualität. Stoffzusammensetzung, Heizleistung, Kondensation, Rückstandsverhalten und die dynamische Führung des gesamten Prozesses müssen zusammen betrachtet werden.
Welche Prozessschritte gehören zur Lösemitteldestillation?
- kontrollierte Zuführung des verschmutzten Lösemittels
- Aufbau und Regelung des Vakuums
- Erwärmung und Verdampfung der rückgewinnbaren Bestandteile
- Kondensation und Erfassung des Destillats
- Überwachung von Füllständen, Durchfluss, Temperatur und Sicherheitszuständen
- Ausschleusung und Bewertung des konzentrierten Rückstands
- Rückführung des freigegebenen Destillats in den Prozess
Was bedeutet dynamische Prozessführung?
Ein industrieller Lösemittelstrom ist nicht in jeder Charge identisch. Die SLD erfasst relevante Betriebszustände kontinuierlich und passt den Prozess innerhalb der projektspezifisch definierten Regelstrategie an. Batsch überwacht den Anlagenzustand und die Prozessdaten remote.
Die Sensoranzahl allein ist kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, welche Messgrößen für das konkrete Material benötigt werden, wie sie ausgewertet werden und welche Reaktion daraus im Prozess folgt.
Wie wird eine Destillationsanlage ausgelegt?
Die Auslegung beginnt nicht mit einer pauschalen Literleistung, sondern mit dem Materialstrom. Batsch betrachtet Tages- und Monatsmengen, Zusammensetzung, Verschmutzung, erforderliche Destillatqualität, Produktionszeiten, Behälterführung, Medien und Aufstellbedingungen.
Für die modulare Auslegung stehen unter anderem die SLD 45 ExV mit ca. 45 l/h und die SLD-100 ExV mit ca. 100 l/h zur Verfügung. Die zugehörigen Leistungsangaben betragen maximal 10 kW Aufnahmeleistung für die SLD 45 ExV und maximal 18,5 kW installierte Leistung für die SLD-100 ExV. Diese Werte beschreiben die jeweils konkret bezeichnete Anlagenvariante und keinen garantierten Materialdurchsatz.
Aktuelle Batsch-Kundenanwendungen reichen durch modulare Aufstellung von 800 bis 10.000 Litern pro Tag. Diese Spanne beschreibt kombinierte Projektlösungen und keine garantierte Leistung einer einzelnen SLD.
Welche Rolle spielen ATEX und Explosionsschutz?
Brennbare Lösemitteldämpfe können explosionsfähige Atmosphären bilden. Deshalb gehören Stoffbewertung, Zoneneinteilung, Aufstellkonzept, technische Schutzmaßnahmen, Dokumentation und die Auswahl geeigneter Geräte in die Projektplanung.
Eine einzelne Produktkennzeichnung ersetzt nicht die Beurteilung der Gesamtanlage am Standort. Betreiberpflichten und konkrete Schutzmaßnahmen müssen projektspezifisch festgelegt werden.
Konkrete Antworten
Häufige Fragen
Welche Vorteile hat die Vakuumdestillation?
Der abgesenkte Druck ermöglicht Verdampfung bei niedrigeren Temperaturen. Der tatsächliche Vorteil hängt vom Lösemittelgemisch und der gewählten Prozessführung ab.
Ist der Durchsatz immer gleich?
Nein. Durchsatz und Zykluszeit hängen unter anderem von Zusammensetzung, Wasser- und Feststoffanteil, Verschmutzung und Anlagenkonfiguration ab.
Reicht eine ATEX-zertifizierte Anlage für den Explosionsschutz aus?
Nein. Zusätzlich sind die Gefährdungsbeurteilung, Zoneneinteilung und das Schutzkonzept der gesamten Aufstellung am Standort zu berücksichtigen.
Fachliche Grundlage
Praxiswissen und Quellen
Die technischen Angaben auf dieser Seite beruhen auf Batsch-Anlagen- und Projektdaten sowie auf realen Probedestillationen. Werte nennen wir immer im jeweiligen Anwendungskontext; vertrauliche Kunden- und Projektdaten bleiben geschützt.
- Batsch Technische Projektübersicht – Datenblatt und Betriebsparameter SLD 45 ExV, Stand 18. Dezember 2025 – eigene Daten
- Batsch Betriebsanleitung SLD 45 ExV, aktualisiert am 22. August 2025 – eigene Daten
- Batsch SLD-100 ExV Datenblatt und Projektpräsentation, Stand Januar 2026 – eigene Daten
- EU-Richtlinie 2014/34/EU für Geräte in explosionsgefährdeten Bereichen
- EU-Richtlinie 1999/92/EG zum betrieblichen Explosionsschutz
- BAuA TRGS 720 – gefährliche explosionsfähige Gemische

